Interview: Der Anfang

Herr Koch, Ihre ersten Berufsjahre verbrachten Sie als Grafiker und Designer im Buchgewerbe, wie sind Sie zur Schreibkunst gekommen?

Im Herbst 1903 kam mir, angeregt durch eine Abbildung mit Text der Zeitschrift Jugend die Idee, dass es doch möglich sein müsste, mit einer Rundschriftfeder Druckschrift zu schreiben. Als ich anfing, hatte ich keine Kenntnisse von Schriften, aus der Zeitung suchte ich die Buchstabenformen zusammen, aber der Charakter war eigentlich vom ersten Strich an da. Technik und Form mußte ich mir selbst erarbeiten. Nach konsequenter Vertiefung meiner Kenntnisse erhielt ich einen ersten Auftrag von Eugen Diederichs in Jena, die Ausstattung eines ganzen Buches zu besorgen. Die Träume meiner Jugend gingen in Erfüllung.

Wann beschlossen Sie, Ihre Unabhängigkeit aufzugeben und das Schreiben zum Beruf zu machen?

Durch die Zusammenarbeit mit Auftraggebern und Druckereien war mir bewußt geworden, was Gemeinschaft und Bindung im Schriftwesen bedeutete. Die Mitarbeit in einem großen Betrieb schien mir für meine weitere Entwicklung unerläßlich.

1905 suchte die Rudhardsche Gießerei einen gebildeten, kunstsinnigen Herrn zur Unterstützung des Chefs bei der Durcharbeitung von Neuheiten, eine Art künstlerischen Beirat. Ich bewarb mich mit den Worten „aus Neigung beschäftige ich mich seit Jahren mit dem Studium alter Schriften” und wurde eingestellt. In den Wochen vor der Arbeitsaufnahme befasste ich mich mit der praktischen Technik des Setzens und Druckens. Gott mag mir’s verzeihen, was ich in all den Jahren zuvor an Werken in die Welt setzte!