Koch Antiqua *

Am 13. August 1915 wurde Rudolf Koch zum Kriegsdienst eingezogen und erst im Oktober 1917 wegen Krankheit entlassen. Ab Mai 1916 hielt er sich zur Behandlung einer Herzschwäche sieben Monate lang im Offenbacher Reserve-Lazarett auf.

Er therapierte seine traumatischen Erfahrungen durch kreative Arbeit, denn in dieser Zeit schrieb er ein Blatt mit Versen aus der Ilias, wovon Karl Klingspor derart beeindruckt war, dass er sich diese Antiqua als Druckschrift wünschte. Koch beendete die Vorarbeiten bis Anfang 1917, dann geriet er abermals in die Kriegsmaschinerie. Die Koch Antiqua* wurde erst zwischen 1920-1922 geschnitten, gleichzeitig mit der Kursiven.

Die ungewöhnlichen Proportionen der Antiqua zeigen, dass Kochs Fähigkeit, aus traditionellen Formen etwas Neues zu schaffen, sich nicht auf Frakturschriften beschränkte. Mag ein Zeitgenosse wie Dr. Wilhelm Lange auch „deutsche Formkraft” und „deutsches Formempfinden” (1938) in dieser Antiqua sehen, in erster Linie ist sie Ausdruck von Rudolf Kochs individuellem Gestaltungsvermögen.