Wallau

In Kochs Werkstatt hing ein Blatt aus einem italienischen Missale (Handbuch für Pfarrer) aus dem 14. Jahrhundert, in Rotunda geschrieben. Diese Kostbarkeit regte Koch zur Entwicklung einer rundgotischen Druckschrift an, die sich aufgrund ihrer komplizierten Formen noch als echte Mühsal für die Schriftgießer erweisen sollte.

1924 begann der Schnitt der Wallau, die nach einem Mainzer Drucker benannt wurde. Erst im Dezember 1930 wurden die Arbeiten abgeschlossen, denn immer wieder mussten Strichstärken geändert und Buchstaben-Details angepasst werden. Mit viel Geduld entstand so eine innovative gotische Schrift ohne „barocke Zutaten”, leichtfüßig und klar durch Verwendung frühmittelalterlicher Unzialformen.

Die Wallau fand anfangs nur wenig Beifall, doch mit der Zeit wurde sie so erfolgreich, dass 1933 ein magerer Schnitt hinzugefügt wurde, 1934 folgte ein schmaler halbfetter und 1935 ein fetter Schnitt. Selbst der britische Fachmann B.H. Newdigate ließ sich in der Zeitung The London Mercury zu der Bemerkung hinreißen, es sei bedauerlich, dass der deutsche Buchdruck so zur Antiqua neige, während doch die Wallau zeige, dass die deutsche Überlieferung zu neuem Leben erweckt werden könne.