Stahl

Die Großbuchstaben der Stahl hat Rudolf Koch 1933 aus seiner Offenbach abgeleitet. Leider konnte er den Entwurf nicht mehr selbst vollenden. Die Fertigstellung übernahm sein Schüler Hans Kühne, der die Minuskeln entwickelte.

Gezeichnete gotische Formen wurden mit der Geometrie einer Sans kombiniert und das Resultat ist eine moderne Optik, die allen Zierat hinter sich gelassen hat. Die Stahl wurde 1939 von Klingspor herausgebracht:

StahlSample

Zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung war die Stahl eine innovative Schrift. Einige unserer Zeitgenossen bekritteln gern die deutschtümelnde und „hölzerne Undifferenziertheit" der gotischen Schriften aus den Dreißiger Jahren und noch lieber werfen sie den Schriftgießereien „vorauseilenden Gehorsam" vor.

Zur Ehrenrettung der Gießereien sei gesagt, dass „das beschämend schnelle Mitmachen …” heute noch an Tempo gewonnen hat. Wo eine Nachfrage ist, sprießt der Markt schier aus dem Nichts. Die damaligen Typographen stellten sich der beruflichen Herausforderung, die Fraktur zu modernisieren und dem vorherrschenden Zeitgeist anzupassen. Wirtschaftliche Gründe dürften dabei eine nicht unerhebliche Rolle gespielt haben. Nichts anderes erleben wir heute, wenn wir uns die Überlebens-Taktiken etablierter Schriftfirmen näher anschauen. Aber das ist ein weites Feld …

Schon Bert Brecht stellte fest, dass die Moral erst an zweiter Stelle kommt. Schrauben wir uns das an die Wand, am besten mit Stahl-Steel-Riveted von Daniel Gauthier:

StahSteelRiveted