Offenbach

Ein Spätwerk des Meisters, in dem er all sein Können in die größtmögliche Vereinfachung der Formen legt. Das Schriftbild ähnelt einer lichtdurchfluteten gotischen Kirche in moderner Leichtbauweise aus Glas und Stahl.

Von Rudolf Koch selbst ist der magere Schnitt der Offenbach mit Unzialversalien, die Entwürfe für den halbfetten Schnitt und die gotischen Versalien hat sein Schüler Hans Kühne nach Kochs Tod gezeichnet.

Unter der schmucklos-sparsamen Oberfläche liegt ein subtiles und ernsthaftes Ausdrucksvermögen. Es ist weniger das Produkt einer künstlerischen Eingebung, sondern resultiert aus konzeptioneller Arbeit im Vorfeld. Mit den Entwürfen hatte Koch schon 1928 begonnen, 1931 wurde die magere Offenbach geschnitten, doch selbst in seinen letzten Lebenstagen fand er noch Details zum Verbessern und Korrigieren.

Mag sein, dass diese Schrift zur Entstehung der „Schaftstiefelgrotesk” beitrug, wie manche Gutmenschen gern ein- und vorwerfen. Doch selbst Hans Peter Willberg mußte feststellen, dass für diesen „Mord an der Schriftform” die Nazis nicht verantwortlich waren, sondern nur „mit ihrem feinen Sinn fürs Grobe die ihnen gemäßen Vorbilder gefunden” hatten. Und das waren Abbildungen gotischer Schriften aus dem 15. Jahrhundert.